Du willst eine GmbH in Österreich gründen und fragst dich, wie der genaue Ablauf funktioniert? In dieser Anleitung zeigen wir dir alle sieben Schritte – vom Gesellschaftsvertrag bis zur SVS-Anmeldung – inklusive Kosten und Fristen, damit deine Gründung reibungslos abläuft.
1. Warum GmbH? Vorteile gegenüber Einzelunternehmen
Bevor du den Gründungsprozess startest, solltest du wissen, warum die GmbH die richtige Wahl für dich ist. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die häufigste Rechtsform für Gründer in Österreich – aus guten Gründen.
Die wichtigsten Vorteile: Die GmbH bietet dir Haftungsbegrenzung. Dein Privatvermögen ist geschützt – nur das Stammkapital (€10.000 oder mit Gründungsprivileg €5.000) haftet. Als Einzelunternehmer dagegen haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen für Geschäftsschulden.
Weitere Vorteile: professionelles Image bei Kunden und Banken, einfacherer Zugang zu Finanzierung, Mitarbeiterbeschäftigung ist attraktiver, und die GmbH hat Substanz – sie kann vererbt oder verkauft werden. Du kannst auch leichter weitere Gründer als Gesellschafter hinzuziehen, weil die Beteiligungen transparent sind.
Der Nachteil: höhere Gründungskosten, mehr Formalismus und Buchhaltungspflichten. Aber wenn du ernsthaft ein Unternehmen aufbauen möchtest, ist die GmbH meist das bessere Modell.
Schritt 1: Gesellschaftsvertrag erstellen
Alles beginnt mit dem Gesellschaftsvertrag – auch „Gründungsurkunde" genannt. Das ist das formale Dokument, das eure GmbH ins Leben ruft.
Was gehört rein? Der Gesellschaftsvertrag muss folgende Punkte regeln: Firma (Name der GmbH), Sitz (Anschrift), Geschäftszweck, Stammkapital und wie es eingezahlt wird, Namen und Wohnort aller Gesellschafter, Geschäftsführung (wer leitet?), Gewinnverteilung. Wichtig: Der Vertrag darf nicht mit Kugelschreiber auf einem Blatt geschrieben sein – das funktioniert nicht. Du brauchst ein ordentliches Dokument, das später notariell beglaubigt wird.
Empfehlung: Nutze eine Mustervorlage (z.B. von der Wirtschaftskammer Österreich) oder lass einen Rechtsanwalt einen Vertrag zusammenstellen. Die Kosten für einen Anwalt: ca. €200–500, je nach Komplexität. Wenn du sparen möchtest und die Gründung einfach ist, funktioniert auch eine gute Vorlage.
Schritt 2: Notarielle Beglaubigung
Der Gesellschaftsvertrag muss von einem Notar beglaubigt werden. Das ist nicht optional – es ist gesetzlich zwingend erforderlich. Der Notar überprüft deine Identität, vergewissert sich, dass du weißt, was du unterschreibst, und beglaubigt die Unterschrift.
Was kostet das? Eine notarielle Beglaubigung einer GmbH-Gründungsurkunde kostet ca. €100–200, je nachdem, wie der Notar kalkuliert. Manche orientieren sich auch am Stammkapital. Die genaue Gebühr erfährst du vom Notar vorab.
Was brauchst du? Dein Gesellschaftsvertrag (unterschrieben oder noch leer zum Unterschreiben), dein Personalausweis und die Personalausweise aller Gesellschafter. Der Notar wird alles überprüfen, die Urkunde ausfertigen und beglaubigen.
Schritt 3: Stammkapital einzahlen
Jetzt wird es finanziell: Du musst das Stammkapital auf ein Konto einzahlen – notfalls ein separates Gründungskonto, bevor deine GmbH offiziell existiert.
Wie viel? Normal: €10.000 Mindest-Stammkapital. Aber: Österreich hat seit einigen Jahren ein Gründungsprivileg. Bei Gründung reichen €5.000 aus, wenn du dich verpflichtest, die restlichen €5.000 innerhalb von vier Jahren nachzuzahlen. Das ist für viele Gründer eine große Erleichterung.
Wie zahlst du ein? Du brauchst ein Treuhandkonto. Das eröffnet normalerweise dein Rechtsanwalt oder Steuerberater. Danach zahlst du dein Geld ein, und es wird dort treuhänderisch verwahrt, bis die GmbH ins Firmenbuch eingetragen ist. Dann wird es freigegeben.
In der Praxis arbeiten viele Gründer hier mit einem Steuerberater zusammen, weil dieser das Treuhandkonto unkomplizierter handhaben kann.
Schritt 4: Eintragung ins Firmenbuch
Das Firmenbuch ist Österreichs Handelsregister. Deine GmbH existiert rechtlich erst, wenn sie dort eingetragen ist. Das ist der wichtigste Moment deiner Gründung.
Wer beantragt das? Normalerweise dein Rechtsanwalt oder eine Gründungsberatungsstelle (z.B. die Wirtschaftskammer). Du könntest es theoretisch auch selbst machen, aber das ist komplex und fehleranfällig.
Was brauchst du? Den notariell beglaubigten Gesellschaftsvertrag, den Nachweis über die Stammkapitaleinzahlung (eine Bescheinigung des Treuhandkontos) und eventuell Nachweise über Geschäftslokale (Mietvertrag, Bestätigung des Vermieters).
Wie lange dauert es? Im Normalfall dauert es 2–4 Wochen nach Antragstellung. Du bekommst eine Eintragungsbestätigung und deine Firmenbuchnummer – das ist die Identität deiner GmbH.
Schritt 5: Gewerbeanmeldung
Parallel zur Firmenbuch-Anmeldung oder direkt danach meldest du dein Gewerbe an – die Wirtschaftskammer Österreich braucht das.
Was bedeutet das? Du teilst mit: Wer führt das Unternehmen? (Geschäftsführer), welche Gewerbe betreibst du? (z.B. „Beratung", „Handel mit Waren" etc.). Die Wirtschaftskammer registriert dein Unternehmen, und du bekommst eine Gewerbeberechtigung.
Kosten: Die Anmeldung selbst ist kostenlos. Aber Mitgliedsbeiträge zur Wirtschaftskammer fallen an – diese sind gestaffelt nach Gewerbe und Umsatz, typischerweise: €50–150 pro Jahr.
Schritt 6: FinanzOnline & Steuernummer
Das Finanzamt (BMF – Bundesministerium für Finanzen) braucht deine GmbH auch zu kennen. Du musst dich dort registrieren und bekommst eine Steuernummer und USt-Identnummer.
Wer meldet an? Normalerweise dein Steuerberater. Viele Gründer engagieren spätestens an dieser Stelle einen Steuerberater, weil die FinanzOnline-Registrierung, die Umsatzsteueranmeldung und die Jahreserklärungen komplex sind.
Was brauchst du? Firmenbuch-Auszug, Gesellschaftsvertrag, Nachweise der Geschäftsführer (Personalausweise), und Informationen zu deinem Geschäftszweck.
Fristen: Das sollte zeitnah nach der Firmenbuch-Eintragung (innerhalb von 2–4 Wochen) erfolgen.
Schritt 7: SVS-Anmeldung (Sozialversicherung)
Die SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) ist deine Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung als Geschäftsführer einer GmbH. Auch das ist Pflicht.
Wichtig zu wissen: Als Geschäftsführer einer GmbH bist du typisch Selbstständiger und zahlst in die SVS ein, nicht in die klassische Angestelltensozialversicherung. Das ist ein anderes System mit anderen Beitragssätzen.
Was brauchst du? Firmenbuch-Auszug, Meldung von der Wirtschaftskammer und Informationen zum erwarteten Jahreseinkommen.
Kosten: Die SVS-Beiträge sind prozentual vom Einkommen – aktuell etwa 18–21 % (diese Sätze ändern sich jährlich). Es gibt auch Mindestbeitragsgrenzen.
Frist: Muss innerhalb von 30 Tagen nach Eintragung ins Firmenbuch erfolgen.
Kosten-Übersicht: Was kostet eine GmbH-Gründung?
Jetzt zur Frage, die alle stellen: Wie viel Geld brauchst du für die Gründung?
- Stammkapital: €5.000 (mit Gründungsprivileg) oder €10.000 (Standard) – das ist dein Betriebskapital, keine Gebühr
- Notar: €100–200
- Firmenbuch-Eintragung: €50–150 (abhängig von den Gerichtsgebühren)
- Rechtsanwalt (optional): €300–800 für Vertragserstellung und Anmeldung
- Steuerberater (optional): €500–1.500 für die gesamte Gründungsabwicklung
- Treuhandkonto & Verwaltung: €0–300, je nach Steuerberater
- Wirtschaftskammer-Mitgliedschaft: €50–150 pro Jahr
- SVS-Beitrag: ca. 18–21 % vom Jahreseinkommen (ab Tag 1)
Zusammenfassung: Reine Gründungskosten (ohne Stammkapital, mit Rechtsanwalt + Steuerberater) ca. €2.000–3.500. Wenn du sparen möchtest und es einfach halten kannst (nur Notar + Steuerberater), ca. €1.000–1.500.
Wann braucht man einen Businessplan für die GmbH?
Viele Gründer fragen: Ist ein Businessplan für die GmbH-Gründung Pflicht? Antwort: Nein, nicht für die Eintragung ins Firmenbuch.
ABER: Wenn du Fremdkapital brauchst – ein Bankdarlehen, Förderungen, Investoren – dann ist ein professioneller Businessplan unverzichtbar. Banken verlangen ihn. Förderungen (z.B. AWS-Gründerprogramme) auch. Und Investoren erst recht.
Ein guter Businessplan kostet ca. €500–2.000, ist aber oft die beste Investition, weil er dir selbst Klarheit gibt und externe Geldgeber überzeugt. Wir helfen gerne dabei.
Fazit und nächste Schritte
Eine GmbH in Österreich zu gründen ist strukturiert, aber schaffbar. Die Schritte sind klar, die Kosten überschaubar. Der wichtigste Rat: Hol dir professionelle Unterstützung – entweder von einem Rechtsanwalt, Steuerberater oder einer Gründungsberatungsstelle. Ja, das kostet Geld. Aber es spart dir Fehler und Zeit, die am Ende teuer sind.
Zusammenfassung des Zeitplans: Gesellschaftsvertrag (1 Woche) → Notarielle Beglaubigung (1 Tag) → Stammkapital einzahlen (1 Tag) → Firmenbuch-Antrag (2–4 Wochen) → Gewerbeanmeldung (1 Woche, parallel möglich) → FinanzOnline (2–4 Wochen) → SVS-Anmeldung (2–4 Wochen). Insgesamt: 2–3 Monate vom Start bis zur vollen operativen Betriebsfähigkeit.
Der nächste Schritt nach der Gründung? Schreib deinen Businessplan, sichere dir Förderungen und bau dein Business auf.
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