Die kurze Antwort: Der Unternehmerheld wird laut Ankündigung des Betreibers zum 9. September 2026 eingestellt — Nutzer sollen ihre Dokumente rechtzeitig herunterladen. Wer dort einen Business- oder Finanzplan liegen hat, sollte vor dem Stichtag alles exportieren, zusätzlich die eigenen Eingabewerte sichern und sich dann entscheiden: wieder ein geführtes Web-Tool — oder ein offenes Excel-Modell, das keinem Anbieter mehr gehört, sondern Ihnen.
Was genau passiert
Auf der Startseite des Unternehmerhelds steht seit Kurzem der Abschiedshinweis: Nach knapp 100.000 erstellten Businessplänen und über 50.000 Finanzplänen geht das Tool „in Rente" und wird zum 09.09.2026 eingestellt; Nutzer werden gebeten, ihre Dokumente rechtzeitig herunterzuladen (laut unternehmerheld.de, abgerufen am 1. September 2026; archivierte Fassung). Betrieben wurde die Software von der Passion4Business GmbH, die auch das Gründerportal Für-Gründer.de führt. Über die Gründe der Einstellung macht die Ankündigung keine Angaben — für die Nutzer ist das am Ende auch zweitrangig. Relevant ist, was jetzt zu tun ist.
Vor dem 9. September: Diese vier Dinge sichern
Erstens: alle Dokumente exportieren. Businessplan und Finanzplan als PDF herunterladen — und zwar in der jeweils vollständigsten Version, die das Tool anbietet, inklusive aller Tabellen-Anhänge.
Zweitens: die Eingabewerte notieren. Das PDF zeigt Ergebnisse, aber nicht immer alle Annahmen dahinter. Gehen Sie die Eingabemasken durch und sichern Sie die Rohwerte: Absatzmengen und Preise je Monat oder Jahr, Kostenpositionen mit Beträgen, Personalplanung mit Bruttogehältern, Investitionen mit Anschaffungsdatum, Finanzierungskonditionen (Kreditsumme, Zins, Laufzeit). Screenshots sind hier völlig legitim.
Drittens: Zwischenstände von Szenarien sichern, falls Sie mehrere Varianten gerechnet haben — nach der Abschaltung ist die Vergleichsrechnung weg.
Viertens: Fristen prüfen. Wenn Ihr Plan Teil eines laufenden Verfahrens ist (Bankgespräch, Förderantrag, Gründungszuschuss), klären Sie vor dem Stichtag, ob die eingereichte Fassung final ist — nachträgliche Änderungen brauchen danach ein neues Werkzeug.
Das eigentliche Problem: Ein PDF ist kein Finanzplan
Die Abschaltung legt eine Schwäche offen, die alle Web-Planungstools teilen — auch die guten: Die Rechenlogik gehört dem Anbieter, nicht Ihnen. Was Sie exportieren können, ist das Ergebnisdokument. Die Formeln, die Verknüpfungen zwischen Umsatz, Kosten, Liquidität und Kapitalbedarf, die Möglichkeit, eine Annahme zu ändern und den Effekt zu sehen — all das lebt auf dem Server des Anbieters und stirbt mit ihm. Wenn Ihre Bank in drei Monaten fragt, wie sich ein um zehn Prozent niedrigerer Umsatz auf die Liquidität auswirkt, hilft Ihnen das schönste PDF nicht weiter.
Die Lehre ist unbequem, aber einfach: Ein Finanzplan gehört Ihnen erst dann, wenn Sie die Datei mit offenen Formeln besitzen — in einem Format, das nicht von einem einzelnen Anbieter abhängt. Genau dafür gibt es seit Jahrzehnten ein bewährtes Format: die Tabellenkalkulation auf Ihrer eigenen Festplatte.
Die Alternativen im Überblick
Wieder ein geführtes Web-Tool. Wer die geführte Erfassung schätzt und mit PDF-Export leben kann, findet Ersatz: In Deutschland existieren weitere Web-Planungstools, in Österreich ist Plan4You der WKO die naheliegende kostenlose Option — solide, geführt, aber eben wieder ein Tool, dessen Logik nicht Ihnen gehört. Die Abhängigkeit, die Sie gerade erlebt haben, wandert nur zum nächsten Anbieter.
Selbst ein Excel bauen. Machbar, und für einfache Fälle ein guter Lernprozess. Welche Blätter ein bankfähiges Modell braucht — Plan-GuV, monatliche Liquidität, Kapitalbedarf, Annahmenblatt — habe ich in einem eigenen Artikel Schritt für Schritt beschrieben. Realistisch kostet ein sauberer Eigenbau allerdings mehrere Arbeitstage, und die typischen Fehler (Privatentnahmen in der GuV, fehlende Umsatzsteuer-Logik, Summen, die nicht aufgehen) passieren genau dort, wo man sie im Bankgespräch am wenigsten brauchen kann.
Ein fertiges, offenes Excel-Modell. Der Mittelweg: eine Vorlage, in der die Rechenlogik fertig und geprüft ist, die aber als normale .xlsx-Datei auf Ihrem Rechner liegt — jede Formel sichtbar, jede Annahme änderbar, kein Abo, kein Server, der abgeschaltet werden kann. Für Österreich habe ich genau das gebaut: ein bankfähiges 3-Jahres-Modell mit zehn Arbeitsblättern, österreichischen Lohnnebenkosten, USt-Logik und Kreditrechnung, einmalig 118,80 € inkl. USt (99 € netto).
Der Umzug ins Excel: fünf Schritte, ein bis zwei Stunden
Einen automatischen Import gibt es nicht — aber der Übertrag ist unspektakulärer, als er klingt, weil ein gutes Excel-Modell alle Eingaben an einem Ort bündelt:
1. Annahmen übertragen. Die gesicherten Rohwerte (Preise, Mengen, Kosten, Gehälter, Investitionen, Kredit) in das zentrale Annahmenblatt eintragen — im Idealfall der einzige Ort, an dem Sie tippen müssen.
2. Monatsverläufe nachziehen. Saisonalität und Anlaufphase aus dem alten Plan in die Monatsspalten übernehmen.
3. Gegen das alte PDF plausibilisieren. Jahresumsatz, Jahresergebnis und tiefster Kontostand mit dem alten Plan vergleichen — kleine Abweichungen sind normal (andere Rundungs- und Steuerlogik), große sind ein Hinweis auf einen Übertragungsfehler.
4. Landesspezifika prüfen. Wer von einem deutschen Tool kommt und in Österreich plant: Lohnnebenkosten, 13./14. Gehalt und SVS-Beiträge unterscheiden sich deutlich — genau die Stellen, die deutsche Vorlagen falsch vorbelegen.
5. Ein Szenario rechnen. Zur Probe eine Annahme ändern (etwa Umsatz −10 %) und prüfen, ob Ergebnis und Liquidität nachziehen. Wenn ja, gehört Ihr Plan jetzt wirklich Ihnen.
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ZUR FINANZPLAN-VORLAGE →Häufige Fragen
Kann ich meine Unternehmerheld-Daten direkt importieren?
Nein, einen Import gibt es nicht — weder in Excel-Vorlagen noch in andere Web-Tools. Der Übertrag der Annahmen von Hand dauert mit gesicherten Rohwerten erfahrungsgemäß ein bis zwei Stunden und ist zugleich eine gute Gelegenheit, jede Annahme einmal kritisch anzusehen.
Was passiert mit meinen Daten nach der Abschaltung?
Das regelt der Anbieter; verlassen Sie sich nicht darauf, nach dem Stichtag noch an irgendetwas heranzukommen. Alles, was Sie behalten wollen, gehört vor dem 9. September auf Ihre eigene Festplatte.
Funktioniert eine österreichische Excel-Vorlage auch für Deutschland?
Die Struktur (GuV, Liquidität, Kapitalbedarf, Break-Even) ist länderunabhängig. Länderspezifisch sind vor allem die Personalkosten-Sätze und die Steuerlogik — in meiner Vorlage sind das offene, kommentierte Eingabezellen, die sich anpassen lassen. Voreingestellt ist Österreich.
Ich stehe kurz vor einem Bank- oder Fördertermin — was jetzt?
Erst sichern, dann in Ruhe umziehen. Wenn es schnell und belastbar sein muss: Beim Finanz-Kickstart baue ich das komplette Zahlenwerk aus Ihren Unterlagen — geliefert in zehn Werktagen.