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FINANZPLANUNG24. August 2026·9 MIN LESEZEIT

Fortbestehensprognose: Wann Ihr Unternehmen sie braucht, welche Kriterien gelten und was sie kostet

Negatives Eigenkapital, URG-Warnkennzahlen, Bankauflage: Wann eine Fortbestehensprognose fällig wird, was hineingehört, wie der Ablauf aussieht — und wovon die Kosten wirklich abhängen.

Die kurze Antwort vorab

Eine Fortbestehensprognose brauchen Sie, sobald Ihr Unternehmen rechnerisch überschuldet ist — also die Schulden größer sind als die Vermögenswerte. Sie ist der Nachweis, dass diese rechnerische Überschuldung nicht zur insolvenzrechtlichen Überschuldung führt, weil das Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiter erfüllen kann. Fällt sie negativ aus, besteht Insolvenzantragspflicht.

Kosten lassen sich seriös nicht pauschal angeben: Sie hängen davon ab, wie gut das Rechnungswesen aufgestellt ist, wie komplex das Unternehmen ist und ob die Prognose für die Hausbank, für die Geschäftsführung oder für ein Gericht belastbar sein muss. Was ich hier tue: die Auslöser, die Kriterien, den Aufbau und die Kostentreiber sauber durchgehen — damit Sie einschätzen können, wo Sie stehen, bevor Sie Angebote einholen.

Zur Einordnung: Ich bin CFO, kein Rechtsanwalt und kein Wirtschaftstreuhänder. Die insolvenzrechtliche Beurteilung gehört in die Hände einer Steuerberatungs- oder Anwaltskanzlei. Was ich liefere, ist der Zahlenkern — Planung, Liquidität, Szenarien —, auf dem diese Beurteilung aufsetzt.

Wann eine Fortbestehensprognose fällig wird

Der häufigste Auslöser ist bilanziell: Das Eigenkapital ist durch Verluste aufgebraucht. Laut WKO ist der Bilanzposten dann von Eigenkapital auf negatives Eigenkapital umzubenennen, und im Anhang ist zu erläutern, ob eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechts vorliegt. Bei negativem Eigenkapital ist einerseits ein Vermögensstatus zu erheben und andererseits eine Fortbestehensprognose zu erstellen (laut wko.at, Stand Jänner 2025).

Der zweite Auslöser ist praktischer Natur: Die Hausbank verlangt sie. Wenn Covenants gerissen werden, ein Rahmen verlängert werden soll oder das Rating gekippt ist, will der Kreditprüfer wissen, ob er es mit einer vorübergehenden Delle oder mit einem strukturellen Problem zu tun hat. Der dritte Auslöser ist die Geschäftsführung selbst: Wer als Geschäftsführer die Antragsfrist versäumt, haftet persönlich und unmittelbar den Gläubigern für den Schaden, der durch die Verzögerung entstanden ist (laut wko.at, Stand Jänner 2025). Eine dokumentierte Prognose ist in dieser Lage nicht nur ein Zahlenwerk, sondern eine Entscheidungsgrundlage mit Beweiswert.

Die URG-Warnkennzahlen: Eigenmittelquote und Schuldentilgungsdauer

Vor der Insolvenzschwelle liegt eine zweite, weniger bekannte Schwelle: das Unternehmensreorganisationsgesetz. Es definiert zwei Krisensymptome, die die Organe prüfpflichtiger Gesellschaften zum Reagieren veranlassen — eine betriebliche Eigenmittelquote unter 8 Prozent und eine fiktive Schuldentilgungsdauer von über 15 Jahren, jeweils laut den Jahresabschlüssen der letzten zwei Jahre (laut wko.at, Stand Jänner 2025). Beide Werte müssen zusammentreffen; einer allein löst die Vermutung nicht aus.

Wichtig ist die Einschränkung, die in der Praxis regelmäßig unterschlagen wird: Die daran geknüpfte persönliche Haftung trifft vertretungsbefugte Organe von juristischen Personen, die nach handelsrechtlichen Vorschriften als prüfpflichtig gelten. Die WKO nennt dafür Bilanzsumme über 5 Millionen Euro und/oder Umsatzsumme über 10 Millionen Euro und/oder mehr als 50 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt bei bestehender Aufsichtsratspflicht. Kommt eine solche Gesellschaft in den Konkurs und haben die Organe die Krisensymptome nicht erkannt oder nicht erkennen können, haften sie persönlich für ungedeckte Gesellschaftsverbindlichkeiten bis zu 100.000 Euro. Diese Haftung entfällt unter anderem dann, wenn ein Wirtschaftstreuhänder-Gutachten die Vermutung eines Reorganisationsbedarfs widerlegt hat (laut wko.at, Stand Jänner 2025).

Für kleinere GmbHs sind die beiden URG-Kennzahlen keine Haftungsnorm, aber ein exzellentes Frühwarnsystem. Wer sie einmal im Quartal rechnet, sieht die Krise ein Jahr früher als der, der auf den Jahresabschluss wartet.

Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung sauber trennen

Beide Insolvenztatbestände werden im Alltag ständig verwechselt, obwohl sie völlig verschiedene Rechnungen verlangen.

Zahlungsunfähigkeit ist eine Liquiditätsfrage: Sie liegt vor, wenn mangels bereiter Zahlungsmittel nicht alle fälligen Schulden bezahlt werden können und die Mittel voraussichtlich auch nicht alsbald beschafft werden können. Es gibt dabei einen Spielraum bis 5 Prozent — wer 95 Prozent der fälligen Schulden bedienen kann, ist noch nicht zahlungsunfähig. Von der bloßen Zahlungsstockung spricht man, wenn die Rückstände voraussichtlich und alsbald zur Gänze beglichen werden; die Maximalfrist dafür beträgt grundsätzlich drei Monate (laut wko.at, Stand Jänner 2025).

Überschuldung ist eine Vermögensfrage — und nur für Kapitalgesellschaften ein eigener Antragsgrund. Sie liegt vor, wenn die Schulden größer sind als die Vermögenswerte und eine negative Fortbestehensprognose besteht. Für den Vermögensstatus werden Vermögensgegenstände und Schulden so bewertet, als würde das Unternehmen aufgelöst, also zu Liquidationswerten. Genau deshalb rutschen fast alle Unternehmen in diesem Test ins Minus — und genau deshalb ist die Prognose der entscheidende zweite Schritt (laut wko.at, Stand Jänner 2025).

Die Frist gilt für beide Tatbestände: Der Insolvenzantrag muss ohne schuldhaftes Zögern gestellt werden, spätestens aber binnen 60 Tagen nach Eintritt der Voraussetzungen. Nur bei einer durch Naturkatastrophe eingetretenen Zahlungsunfähigkeit verlängert sich die Frist auf maximal 120 Tage (laut wko.at, Stand Jänner 2025). Die 60 Tage sind kein Puffer zum Abwarten — sie dürfen nach der Rechtsprechung nur genutzt werden, solange die Sanierungsbemühungen nicht aussichtslos sind.

Was in eine Fortbestehensprognose gehört

Die Prognose hat eine begründete Aussage darüber zu treffen, ob das Unternehmen künftig mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seine geschäftlichen Aktivitäten unter Einhaltung seiner Zahlungsverpflichtungen fortführen kann. Betrachtungszeitraum sind mindestens die nächsten zwölf Monate (laut wko.at, Stand Jänner 2025). In der Praxis besteht sie aus vier Teilen:

  • Ursachenanalyse. Warum ist die Lage entstanden — Umsatzeinbruch, Margenverfall, Fehlinvestition, Ausfall eines Großkunden, zu kurze Finanzierungsstruktur? Ohne belegte Ursache ist jede Maßnahme Behauptung.
  • Sanierungskonzept mit konkreten Maßnahmen. Jede Maßnahme braucht Betrag, Termin und Verantwortlichen. Zusagen Dritter — Gesellschafterzuschuss, Stundung, Rangrücktritt, Lieferantenvereinbarung — gehören schriftlich dokumentiert, nicht als Absichtserklärung.
  • Liquiditätsplanung als Kern. Der Zahlungsfähigkeitsteil wird auf Wochen- oder Monatsbasis gerechnet, mindestens über zwölf Monate. Hier zeigt sich, ob das Unternehmen jede einzelne Fälligkeit bedienen kann — Umsatzsteuer, Lohnnebenkosten und Sozialversicherung eingeschlossen. Welche Fehler dabei am häufigsten passieren, habe ich in den häufigsten Fehlern im Finanzplan beschrieben.
  • Plan-Gewinn-und-Verlust-Rechnung und Plan-Bilanz. Sie zeigen, ob nach der Akutphase auch strukturell wieder Ergebnis und Eigenkapital entstehen. Eine Prognose, die nur die nächsten zwölf Monate über Wasser hält, ohne dass sich am Geschäftsmodell etwas ändert, überzeugt weder Bank noch Prüfer.

Dazu kommen Szenarien. Ein einziger Pfad reicht nicht: Neben dem Planfall gehören ein pessimistischer Fall und die Angabe, ab welcher Abweichung die Prognose kippt, in das Dokument. Diese Sensitivität ist das, was einen Kreditprüfer am meisten interessiert — und was in selbst gebauten Prognosen fast immer fehlt.

Ablauf und Kosten

Der Ablauf ist in allen Fällen ähnlich: aktuelle Saldenliste und letzte Jahresabschlüsse aufbereiten, Vermögensstatus zu Liquidationswerten erstellen, Ursachen analysieren, Maßnahmen mit den Beteiligten abstimmen und schriftlich absichern, Liquiditäts- und Ergebnisplanung aufbauen, Szenarien rechnen, Dokument schreiben und mit Steuerberatung oder Kanzlei abstimmen. Realistisch sind dafür je nach Ausgangslage einige Wochen — nicht Tage.

Zu den Kosten: Belastbare Marktpreise lassen sich nicht pauschal angeben, weil der Aufwand fast vollständig von der Ausgangslage abhängt. Diese vier Faktoren treiben ihn:

  • Zustand des Rechnungswesens. Eine tagesaktuelle Buchhaltung mit offener Postenliste und sauberem Debitorenstand halbiert den Aufwand gegenüber einem Rückstand von mehreren Monaten.
  • Komplexität. Mehrere Gesellschaften, Auslandsgeschäft, Bauprojekte in Abwicklung oder Konzernverrechnungen kosten Zeit — jeweils mit eigener Bewertungsfrage im Vermögensstatus.
  • Adressat. Eine interne Entscheidungsgrundlage für die Geschäftsführung ist etwas anderes als ein Dokument, das gegenüber Bank, Gericht oder Insolvenzverwalter standhalten muss.
  • Zeitdruck. Wer erst 50 Tage nach dem auslösenden Ereignis beginnt, zahlt den Eilzuschlag — und bekommt eine schlechtere Prognose, weil sich Maßnahmen nicht mehr sauber verhandeln lassen.

Wenn Sie Angebote einholen, achten Sie auf drei Dinge: Ist der Vermögensstatus enthalten oder nur die Planung? Über welchen Zeitraum wird die Liquidität gerechnet und in welcher Granularität? Und wer unterschreibt am Ende — die Prognose ist nur so viel wert wie die Person, die dafür geradesteht.

Wenn parallel die Bank am Tisch sitzt

In den meisten Fällen läuft die Prognose nicht isoliert, sondern parallel zu einer Finanzierungsverhandlung: Rahmen verlängern, Tilgung aussetzen, Umschuldung. Dann verlangt die Bank ohnehin ein vollständiges Zahlenwerk — die Unterlagen-Checkliste für den Kreditantrag deckt sich zu großen Teilen mit dem, was die Prognose braucht. Was der Kreditprüfer im Finanzteil konkret erwartet, steht im Beitrag Finanzplan für die Bank. Und wenn die Krise aus einer zu knapp kalkulierten Finanzierung stammt, lohnt der Blick zurück auf den Kapitalbedarfsplan — Unterkapitalisierung ist die häufigste Vorgeschichte, die ich in solchen Terminen sehe.

Was ich dabei mache

Ich übernehme den Finanzteil: Liquiditätsplanung auf Monatsbasis, Plan-Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Plan-Bilanz, Szenarien und die Dokumentation der Annahmen — in der Struktur, die Steuerberatung, Kanzlei und Bank weiterverarbeiten können. Der Finanz-Kickstart liefert dieses Zahlenwerk zum Fixpreis von 1.490 € netto zzgl. 20 % USt. in 10 Werktagen. Ist zusätzlich ein vollständiger Textteil nötig — Ursachenanalyse, Maßnahmenbeschreibung, Marktteil —, liegt das beim Investor-Ready-Paket ab 2.590 € netto zzgl. 20 % USt. Wenn bereits eine Prognose oder Planung vorliegt und Sie nur eine kritische Durchsicht vor dem Banktermin brauchen, ist das Plan-Review um 490 € netto zzgl. 20 % USt. der richtige Umfang.

Die insolvenzrechtliche Beurteilung selbst — ob die Prognose positiv ist und welche Pflichten daraus folgen — trifft Ihre Steuerberatung oder Ihre Anwaltskanzlei. Diese Arbeitsteilung ist kein Mangel, sondern die übliche und aus meiner Sicht einzig saubere Konstruktion.

Häufige Fragen

Wann braucht ein Unternehmen eine Fortbestehensprognose?

Sobald rechnerische Überschuldung vorliegt, also die Schulden die Vermögenswerte übersteigen — typischerweise erkennbar am negativen Eigenkapital in der Bilanz. Bei negativem Eigenkapital sind ein Vermögensstatus und eine Fortbestehensprognose zu erstellen (laut wko.at, Stand Jänner 2025). Daneben verlangen Banken sie häufig als Auflage bei Rahmenverlängerungen oder Ratingverschlechterungen.

Was kostet eine Fortbestehensprognose in Österreich?

Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht — der Aufwand hängt vom Zustand des Rechnungswesens, von der Komplexität des Unternehmens, vom Adressaten des Dokuments und vom Zeitdruck ab. Vergleichen Sie Angebote deshalb nicht über den Preis allein, sondern über den Leistungsumfang: Vermögensstatus, Planungshorizont, Granularität der Liquiditätsrechnung und die Frage, wer das Dokument zeichnet.

Wie lange muss die Prognose in die Zukunft reichen?

Betrachtungszeitraum sind mindestens die nächsten zwölf Monate (laut wko.at, Stand Jänner 2025). In der Praxis ist mehr sinnvoll: Wenn die Sanierung erst im zweiten Jahr Ergebnis bringt, sollte der Plan das auch zeigen, sonst wirkt die Prognose wie eine Verlängerung auf Zeit.

Was passiert, wenn die Prognose negativ ausfällt?

Dann liegt bei rechnerischer Überschuldung insolvenzrechtliche Überschuldung vor, und die vertretungsbefugten Organe von Kapitalgesellschaften sind zur Antragstellung verpflichtet — ohne schuldhaftes Zögern, spätestens binnen 60 Tagen. Wer die Frist versäumt, haftet persönlich gegenüber den Gläubigern für den Verzögerungsschaden (laut wko.at, Stand Jänner 2025). Wie mit dem Ergebnis rechtlich umzugehen ist, klären Sie mit Steuerberatung oder Anwaltskanzlei.

Was sind die URG-Kennzahlen genau?

Eigenmittelquote unter 8 Prozent und fiktive Schuldentilgungsdauer über 15 Jahre, jeweils laut den Jahresabschlüssen der letzten zwei Jahre — beide Werte müssen gemeinsam vorliegen. Sie lösen bei prüfpflichtigen Gesellschaften die Vermutung eines Reorganisationsbedarfs aus; die daran geknüpfte persönliche Haftung reicht bis zu 100.000 Euro für ungedeckte Gesellschaftsverbindlichkeiten (laut wko.at, Stand Jänner 2025).

Kann ich die Prognose selbst schreiben?

Die Rohdaten können Sie liefern, und das ist auch sinnvoll — niemand kennt das Geschäft besser. Bei der Bewertung im Vermögensstatus und bei der insolvenzrechtlichen Einordnung brauchen Sie fachliche Begleitung. Und ein Punkt aus der Praxis: Ein Dokument, das die Geschäftsführung allein erstellt und unterschreibt, hat gegenüber Bank und Gericht weniger Gewicht als eines, an dem Steuerberatung oder Wirtschaftstreuhänder mitgewirkt haben.

Hilft eine Fortbestehensprognose bei Förderungen?

Nur mittelbar. Förderstellen fördern in der Regel keine Unternehmen in Schwierigkeiten; die Programme setzen ein tragfähiges Vorhaben voraus. Welche Schienen es in Österreich überhaupt gibt und was sie verlangen, habe ich in der Übersicht der Förderungen in Österreich zusammengefasst.

Vor einem Banktermin oder einer Prognose? Ich baue die Liquiditäts- und Ergebnisplanung samt Szenarien, auf der Bank und Steuerberatung aufsetzen können — zum Fixpreis, in 10 Werktagen. Oder sehen Sie erst, wie ich arbeite →

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JL Jan-Rudolph Lenzbauer CFO · Inhaber Lenz Consulting — Finanzmodelle & Businesspläne ÜBER MICH →