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FINANZPLANUNG7. September 2026·9 MIN LESEZEIT

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Liquiditätsplanung erstellen: Anleitung und Vorlage für Unternehmen (2026)

Wie ein Liquiditätsplan aufgebaut ist, warum die rollierende 13-Wochen-Sicht das wirksamste Frühwarnsystem ist — und welche Fälligkeiten im österreichischen Kalender die meisten Pläne übersehen.

Die kurze Antwort vorab

Eine Liquiditätsplanung erstellen Sie, indem Sie den Kontostand am Anfang der Periode nehmen, sämtliche erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen zum Zahlungszeitpunkt — nicht zum Rechnungszeitpunkt — daneben stellen und den Endsaldo Periode für Periode fortschreiben. Die Wirtschaftskammer empfiehlt dafür eine monatliche Planung über die nächsten zwölf Monate und stellt eine kostenlose Excel-Vorlage bereit (laut wko.at, Stand Oktober 2025). In der Praxis fahre ich zweigleisig: monatlich für das Jahr, wöchentlich für das nächste Quartal.

Der Unterschied zur Gewinnplanung passt in einen Satz: Ein Unternehmen wird nicht insolvent, weil es keinen Gewinn macht, sondern weil an einem bestimmten Tag das Geld für eine bestimmte Zahlung fehlt.

Liquiditätsplan, Plan-GuV und Finanzplan — der Unterschied

Die drei Begriffe werden ständig vermischt, meinen aber unterschiedliche Dinge. Der Finanzplan ist das Dach: das gesamte Zahlenwerk aus Plan-Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Liquiditätsplan und Planbilanz. Die Plan-GuV beantwortet die Frage nach dem Ergebnis: Bleibt am Ende der Periode etwas übrig? Der Liquiditätsplan beantwortet die Frage nach der Zahlungsfähigkeit: Ist am 15. des Monats genug auf dem Konto?

Drei Positionen zeigen, warum die beiden Rechnungen nie deckungsgleich sind:

  • Abschreibungen mindern das Ergebnis, kosten aber kein Geld. In der GuV stehen sie, im Liquiditätsplan nicht.
  • Tilgungen kosten Geld, mindern aber das Ergebnis nicht — nur der Zinsanteil ist Aufwand. In der GuV fehlen sie, im Liquiditätsplan sind sie voll wirksam.
  • Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten und in der GuV gar nicht enthalten. Auf dem Konto ist sie sehr wohl unterwegs — als Einzahlung vom Kunden und Wochen später als Zahllast ans Finanzamt.

Wer nur die GuV plant, sieht ein profitables Unternehmen und übersieht den Monat, in dem Investition, Zahllast und Sonderzahlung zusammenfallen. Wie die Rechenwerke zusammenspielen, habe ich in der Finanzplan-Vorlage für KMU aufgeschlüsselt.

Was in einen Liquiditätsplan gehört

Der Aufbau ist simpel: Zeilen sind Zahlungsströme, Spalten sind Perioden. Anspruchsvoll ist die Vollständigkeit. Diese Blöcke gehören hinein:

  • Anfangsbestand. Bankguthaben, Kassa — und getrennt ausgewiesen der noch freie Kontokorrentrahmen. Ein ausgeschöpfter Rahmen ist keine Reserve, sondern eine bereits genutzte Finanzierung.
  • Einzahlungen aus Umsatz. Nicht der Umsatz des Monats, sondern die Zahlungseingänge: Rechnung aus Monat eins bei 30 Tagen Zahlungsziel wird in Monat zwei zu Geld — und bei säumigen Kunden später. Brutto, also inklusive Umsatzsteuer.
  • Sonstige Einzahlungen. Kreditauszahlungen, Förderungstranchen, Einlagen, Anlagenverkäufe, Steuergutschriften.
  • Auszahlungen operativ. Wareneinkauf und Fremdleistungen nach Lieferantenzahlungsziel, Löhne und Gehälter, Miete, Energie, Versicherungen, Leasing, Marketing.
  • Steuern und Abgaben. Umsatzsteuer-Zahllast, Lohnabgaben, Einkommen- oder Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen, Sozialversicherung. Dazu gleich mehr — das ist der Block, der am häufigsten fehlt.
  • Finanzierung und Investition. Tilgungen, Zinsen, Investitionsauszahlungen, Leasing-Sonderzahlungen.
  • Privatentnahmen beim Einzelunternehmen, Geschäftsführerbezug und geplante Ausschüttungen bei der GmbH.
  • Endbestand je Periode — und darunter die wichtigste Zeile überhaupt: der Abstand zum Kontokorrentrahmen.

Die Wirtschaftskammer führt in ihrer Checkliste zur Liquiditätssicherung genau die Punkte an, die in der Praxis untergehen: erteilte Daueraufträge und Bankeinzüge, Kreditkartenbelastungen aus Vormonaten, auslaufende Stundungen von Finanzamt und Sozialversicherung, fällige Umsatzsteuer und lohnabhängige Abgaben sowie Sonderzahlungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (laut wko.at, Stand Oktober 2025). Meine Erfahrung deckt sich damit vollständig.

Die rollierende 13-Wochen-Planung

Für die Steuerung im Alltag ist die Monatssicht zu grob. Wenn die Zahllast am 15. fällig ist und der größte Kundeneingang am 28. kommt, ist der Monat in Summe positiv — und trotzdem gibt es am 15. ein Problem. Deshalb arbeite ich für den nahen Horizont mit einer rollierenden 13-Wochen-Planung: dreizehn Wochenspalten, jede Woche wird die abgelaufene Spalte durch den Ist-Wert ersetzt und hinten eine neue Woche angehängt.

Drei Gründe sprechen dafür. Ein Quartal deckt alle wesentlichen Zahlungszyklen ab — Monatsabgaben, Quartalsvorschreibungen, übliche Zahlungsziele. Der wöchentliche Ist-Abgleich macht die Planqualität sichtbar: Wer sieht, wie weit Plan und Ist auseinanderliegen, plant nach zwei Monaten deutlich besser. Und es ist das Format, das Banken und Beratung in angespannten Situationen erwarten.

Ein Liquiditätsplan, den niemand gegen die tatsächlichen Kontobewegungen abgleicht, ist eine Vermutung mit Tabellenrahmen.

Beide Horizonte speisen sich aus denselben Annahmen — sonst haben Sie zwei Wahrheiten.

Die Fälligkeiten, an denen österreichische Liquiditätspläne scheitern

Selbst gebaute Pläne rechnen fast immer mit Umsatz, Wareneinsatz, Personal und Miete. Was regelmäßig fehlt, ist der Abgabenkalender — und der ist in Österreich dicht getaktet:

  • Umsatzsteuer-Zahllast. Voranmeldung und Zahlung sind spätestens am 15. des zweitfolgenden Kalendermonats fällig; Voranmeldungszeitraum ist grundsätzlich der Kalendermonat, bei einem Vorjahresumsatz bis 100.000 Euro das Kalendervierteljahr (laut wko.at, Stand Juni 2026). Die Zahllast des Novembers verlässt das Konto also erst am 15. Jänner — bis dahin fühlt sie sich wie Guthaben an. Bei verspäteter Zahlung kommt ein Säumniszuschlag von 2 Prozent des zu spät entrichteten Betrags dazu (bei qualifizierten Verspätungen bis maximal 4 Prozent), bei verspäteter Abgabe zusätzlich ein Verspätungszuschlag von bis zu 10 Prozent.
  • Lohnabgaben. Der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds beträgt seit 2025 3,7 Prozent der Beitragsgrundlage und ist bis zum 15. des Folgemonats abzuführen; dazu kommt der Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag, der 2026 je nach Bundesland zwischen 0,31 Prozent (Oberösterreich) und 0,40 Prozent (Burgenland) liegt, in Wien bei 0,36 Prozent (beides laut wko.at, Stand Jänner 2026). Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge und Kommunalsteuer laufen im selben Monatsrhythmus.
  • Sozialversicherung der Selbständigen. Die SVS schreibt quartalsweise vor — das trifft vier Mal im Jahr mit dem Dreifachen des gedanklichen Monatsbetrags. 2026 gelten für Gewerbetreibende 18,50 Prozent Pensionsversicherung, 6,80 Prozent Krankenversicherung und 1,53 Prozent Selbständigenvorsorge, dazu 12,95 Euro Unfallversicherung monatlich; die Mindestbeitragsgrundlage liegt bei 551,10 Euro monatlich, die Höchstbeitragsgrundlage bei 8.085 Euro monatlich (laut wko.at, Stand Jänner 2026). Wer in den ersten Jahren auf vorläufigen Grundlagen zahlt, muss die spätere Nachbemessung als eigene Zeile einplanen — sie kommt verlässlich und selten gelegen.
  • Sonderzahlungen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld verwandeln zwei Monate im Jahr in Doppelmonate beim Personalaufwand, samt anteiliger Abgaben. Wer mit einem Zwölftel je Monat plant, hat im Juni und im November eine Lücke.
  • Steuervorauszahlungen. Einkommen- und Körperschaftsteuer werden quartalsweise vorgeschrieben. Nach einem guten Jahr steigen die Vorauszahlungen — die Nachzahlung für das Vorjahr und die erhöhte Vorauszahlung treffen dann im selben Quartal ein.

Diese fünf Positionen sind keine Randnotiz, sondern der Grund, warum ein Liquiditätsplan brutto zu rechnen ist und nicht netto. Weitere typische Denkfehler in der Planung habe ich in den häufigsten Fehlern im Finanzplan gesammelt.

Kostenlose Vorlagen und Werkzeuge aus Österreich

Sie müssen nicht bei null anfangen. Die Wirtschaftskammer stellt eine kostenlose Excel-Vorlage zur Liquiditätsplanung bereit: jahresübergreifend für die nächsten zwölf Monate, mit frei wählbarem Planungsbeginn und durchgehender Benutzerführung. Daneben gibt es das für Ein-Personen-Unternehmen gebaute Online-Tool Liquiditätspolster, das ausrechnet, wie lange ein Unternehmen liquide bleibt, wenn der Umsatz auf null fällt, sowie den KMU-Stresstest für Krisenszenarien und eine Vorlage zur Aufstellung offener Verbindlichkeiten (alle laut wko.at, Stand Oktober 2025).

Für einfache Strukturen ist das ausreichend, und es ist kostenlos — eine faire Empfehlung. An Grenzen stößt der Ansatz, sobald die Liquiditätsplanung an eine vollständige Planung angebunden sein muss: Ändert sich der Umsatzplan, sollen sich Zahlungseingänge, Zahllast, Wareneinsatz und Kontokorrentbedarf automatisch mitbewegen. Das leistet eine isolierte Liquiditätstabelle nicht. Wenn Sie Ihr Zahlenwerk gerade ohnehin umziehen — etwa weil ein Planungstool abgeschaltet wird, wie zuletzt bei Unternehmerheld — wechseln Sie besser gleich auf eine verknüpfte Struktur.

Was tun, wenn der Plan eine Unterdeckung zeigt

Der Zweck der Planung ist nicht das Dokument, sondern der Vorlauf. Zeigt eine Periode einen Endsaldo unter dem verfügbaren Rahmen, haben Sie in der Regel Wochen Zeit zu handeln — und deutlich mehr Optionen als jemand, der es am Fälligkeitstag bemerkt. Die Wirtschaftskammer nennt dafür unter anderem konsequentes Mahnwesen, längere Zahlungsziele mit Lieferanten und das Verlagern von Fälligkeiten in Überschussmonate, angepasste Lagerbestände und Investitionen, den Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens, Gespräche mit der Bank über Rahmenausweitung, Tilgungsfreistellung und Laufzeitverlängerung sowie die Herabsetzung der Vorauszahlungen bei Finanzamt und Sozialversicherung (laut wko.at, Stand Oktober 2025).

Zwei Dinge gehören dazu gesagt. Erstens: Eine Stundung ist keine Lösung, sondern eine Verschiebung — der Betrag kommt wieder, und dann meist zusätzlich zum laufenden. Wer stundet, muss die Rückführung im Plan abbilden. Zweitens gibt es eine harte Grenze: Bei Zahlungsunfähigkeit ist spätestens binnen 60 Tagen ein Insolvenzantrag einzubringen (laut wko.at). Wenn die Planung in diese Richtung zeigt, ist das der Moment für Steuerberatung und, je nach Lage, für eine Fortbestehensprognose — nicht für Abwarten.

Warum die Bank den Liquiditätsplan sehen will

Im Kreditgespräch ist der Liquiditätsplan das Dokument, das die Rückzahlung greifbar macht. Die Plan-GuV zeigt Ertragskraft, die Kapitaldienstrechnung zeigt, ob Ergebnis plus Abschreibungen Zins und Tilgung decken — der Liquiditätsplan zeigt, ob das auch im ungünstigen Monat noch stimmt. Bei Betriebsmittelfinanzierungen ist er sogar die Hauptunterlage, weil sich der Rahmenbedarf direkt aus dem tiefsten Punkt der Kurve ableitet.

Zwei Dinge machen dabei den Unterschied: Zahlungsziele, die aus den tatsächlichen Erfahrungswerten hergeleitet sind statt aus den vereinbarten Konditionen — und mindestens ein Abweichungsszenario mit weniger Umsatz und langsameren Zahlungseingängen. Welche Unterlagen daneben auf den Tisch gehören, steht in der Unterlagen-Checkliste für den Kreditantrag; worauf der Prüfer im Zahlenwerk selbst achtet, im Beitrag Finanzplan für die Bank. Wie viel Puffer nötig ist, leitet sich aus dem Kapitalbedarfsplan ab.

Wenn Sie das nicht selbst bauen wollen: Der Finanz-Kickstart liefert das integrierte Zahlenwerk inklusive Liquiditätsplan, Szenarien und banktauglicher Aufbereitung zum Fixpreis von 1.490 € netto zzgl. 20 % USt. in 10 Werktagen; für die kritische Durchsicht eines bestehenden Plans gibt es das Plan-Review um 490 € netto zzgl. 20 % USt. Wie das Ergebnis aussieht, zeigt das offene Beispiel.

Häufige Fragen

Wie erstelle ich eine Liquiditätsplanung Schritt für Schritt?

Anfangsbestand samt freiem Kontokorrentrahmen erfassen, alle erwarteten Einzahlungen zum voraussichtlichen Zahlungseingang eintragen (brutto, nach Zahlungsziel verschoben), alle Auszahlungen zum Fälligkeitstag ergänzen — inklusive Umsatzsteuer-Zahllast, Lohnabgaben, Sozialversicherung, Tilgungen und Entnahmen — und den Endsaldo je Periode fortschreiben. Anschließend jede Periode gegen den verfügbaren Rahmen prüfen und ein Abweichungsszenario rechnen.

Über welchen Zeitraum plane ich die Liquidität?

Zwei Horizonte parallel: monatlich über zwölf Monate für Finanzierungsfragen und den Banktermin, wöchentlich über dreizehn Wochen für die laufende Steuerung. Die Wirtschaftskammer empfiehlt für die Jahressicht ebenfalls die monatliche Planung über zwölf Monate (laut wko.at, Stand Oktober 2025).

Brutto oder netto planen?

Brutto. Auf dem Konto landen Bruttobeträge, und die Umsatzsteuer ist ein eigener Zahlungsstrom mit eigener Fälligkeit — spätestens am 15. des zweitfolgenden Monats (laut wko.at, Stand Juni 2026). Eine Nettoplanung blendet genau diese Verschiebung aus.

Gibt es eine kostenlose Vorlage für die Liquiditätsplanung in Österreich?

Ja. Die Wirtschaftskammer stellt eine kostenlose Excel-Vorlage für zwölf Monate mit frei wählbarem Planungsbeginn bereit, dazu das EPU-Tool Liquiditätspolster und den KMU-Stresstest (laut wko.at, Stand Oktober 2025). Für verknüpfte Planungen mit mehreren Erlösströmen, Lager oder bestehenden Finanzierungen stößt eine isolierte Vorlage allerdings an Grenzen.

Wie oft soll ich den Liquiditätsplan aktualisieren?

Wöchentlich für die 13-Wochen-Sicht, monatlich für die Jahressicht — jeweils mit Abgleich gegen die tatsächlichen Kontobewegungen. Der Lerneffekt aus dieser Gegenüberstellung ist größer als jede Verfeinerung des Modells.

Was kostet ein professionell erstellter Liquiditäts- und Finanzplan?

Bei mir zum Fixpreis: 1.490 € netto zzgl. 20 % USt. für das integrierte Zahlenwerk aus Plan-GuV, Liquiditätsplan, Planbilanz und Szenarien in 10 Werktagen, 490 € netto zzgl. 20 % USt. für das Review eines bestehenden Plans. Die Abgrenzung der Leistungen und was am Markt sonst üblich ist, habe ich im Beitrag Was kostet ein Businessplan? beschrieben.

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JL Jan-Rudolph Lenzbauer CFO · Inhaber Lenz Consulting — Finanzmodelle & Businesspläne ÜBER MICH →